Historische Hintergründe
Einige der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichten von ihren Erlebnissen während der unmittelbaren Nachkriegszeit. Diese Seite soll einige Eckpunkte für eine historische Einordnung geben.
Die französische Besatzung im Jestetter Zipfel
Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches im Frühjahr 1945 erreichten französische Truppen auch den Jestetter Zipfel. Die Gemeinden Altenburg, Jestetten und Lottstetten wurden Ende April 1945 kampflos besetzt und gehörten fortan zur französischen Besatzungszone. Aus militärischer Sicht stellte die besondere Lage des Gebietes die Besatzungsmacht vor Herausforderungen: Der Jestetter Zipfel ist fast vollständig von der Schweiz umgeben, die Grenze verläuft über weite Strecken unübersichtlich und war nur schwer zu kontrollieren. Die französische Militärverwaltung entschied deshalb, das Gebiet vorübergehend zu räumen.
Die sogenannte Evakuierung vom Mai 1945
Am Abend des 14. Mai 1945 erhielten die Bewohnerinnen und Bewohner von Altenburg, Jestetten und Lottstetten die Anweisung, ihre Heimat am nächsten Morgen zu verlassen. Dabei wurde der grösste Teil der Bevölkerung ohne Begründung und ohne Aussicht auf Rückkehr vertrieben und in Dörfern im Südschwarzwald einquartiert. Zu Fuß, mit Fuhrwerken und Handkarren bildeten sie eine fast vier Kilometer lange Kolonne. Der Konvoi zog über Grießen nach Lauchringen. Am 19. Mai 1945, nach vier Tagen Fußmarsch, erreichten die „Evakuierten“ ihre Zielorte im Südschwarzwald. Der Vorgang wird immer noch als Evakuierung bezeichnet, kam aber einer Vertreibung gleich.
Rückkehr und Erinnerung
Nach rund drei Monaten durften die Vertriebenen nach und nach zurückkommen. Die Häuser standen grösstenteils noch, und viele Familien konnten ihr Leben wieder aufnehmen. Dennoch blieb die Evakuierung für zahlreiche Menschen ein prägendes Erlebnis. Die Angst vor dem Verlust der Heimat, die Ungewissheit über die Zukunft und die Erfahrungen der Vertreibung wirkten lange nach. Bis heute gehört die Evakuierung von 1945 zu den einschneidendsten Ereignissen in der jüngeren Geschichte des Jestetter Zipfels und lebt in den Erinnerungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen weiter. Die Hörstation 03 am Gedenkkreuz mit dem Namen "sogenannte Evakuierung" gibt Einblicke in die Erinnerungen einiger Zeitzeug*innen.
Da alle Fotoapparate von der Besatzungsmacht beschlagnahmt wurden, gibt es von der Evakuierung keinerlei Bildmaterial.